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Die Stadt "Ho"

Autor: Merlit | Datum: 21 September 2017, 15:05 | 0 Kommentare

Ho ist die Hauptstadt der Voltaregion Ghanas und eine relativ große Stadt, die Einwohnerzahl liegt schätzungsweise so bei 100.000 Einwohnern. In den letzten beiden Wochen hatten wir noch keine Schule und daher viel Zeit unsere Stadt hier etwas kennenzulernen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich noch nie eine ähnliche Stadt gesehen habe, alles ist so anders! Die ersten Tage sind wir einfach nur die Straßen und Wege rauf und runter gelaufen und haben kein gerades Gespräch zustande bekommen, weil es unglaublich viel zu sehen gibt. Es ist schwer in Worte zu fassen, was eigentlich so anders ist, ich weiß gar nicht recht wo ich da anfangen soll.

Daher zunächst einmal zum Aufbau: Ho hat einen Stadtkern, in dem für mich wichtige Anlaufpunkte sind, wie z.B. die Bank und die Post. Dieser umfasst circa drei große Straßen. Die eine davon führ auch zu dem Stadtteil, in dem der Markt alle vier Tage stattfindet. An solchen Tagen stellt dieser den Mittelpunkt der Stadt da. Man hat das Gefühl jeder Mensch in dieser Stadt ist entweder auf dem Weg zum Markt, ist gerade auf dem Markt oder kommt vom Markt (Ich werde noch einmal Genaueres zum Markt schreiben, sobald ich passende Fotos habe). Die drei großen Straßen sind ähnlich wie die, die ich gewohnt bin, mit Ausnahme der (Abwasser-, Müll-, Regenwasser-) Gräben die links und rechts jeder Straße verlaufen. Diese sind oftmals nicht abgedeckt, oder nur teilweise, wodurch einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert ist. Wir haben schon mehrere Geschichten von Leuten gehört, die Bekanntschaft mit dem Müll, Wasser und den Tieren in den Gräben machen durften, nachdem sie hineingefallen sind. Mit Tieren meine ich vor allem Hühner, Schafe und Ziegen, die hier überall frei herumlaufen und eben auch mal gerne in den Gräben unterwegs sind. Was die Straßen und besonders die Straßennutzung hier noch von der mir bekannten Straßennutzung unterscheidet betrifft die Verkehrsregeln. Wo ich gelernt habe, dass Fußgänger grundsätzlich Vortritt haben und man als Autofahrer eher mal stehen bleibt, als etwas zu riskieren, gilt hier eher: Alle Macht den Autos! Als Fußgänger muss man wirklich sehr aufpassen, egal ob man nur an einer Straße entlangläuft, oder besser gesagt auf einer Straße (Fußgängerwege gibt es so gut wie nie), oder ob man eine Straße überqueren möchte. Zebrastreifen und Ampeln gibt es zwar vereinzelt auch, aber ich habe noch nicht erlebt, dass diese beachtet werden, oder zumindest nicht so, wie ich es kennen und erkennen würde.

Hier in Ghana herrscht grundsätzlich Rechtsverkehr, allerdings haben wir schon ein paar mal miterleben können, wie Autofahrer einfach mal auf die linke Spur ziehen, ist es zum ausweichen, überholen oder einfach um einen kleinen Snack am Straßenrand zu kaufen. Das hört sich jetzt vermutlich erstmal ein wenig chaotisch und irritierend an, aber so weit ich es bisher mitbekommen habe, klappt der Straßenverkehr erstaunlich gut. Ich blicke noch nicht ganz durch, wie das funktioniert, und ob es vielleicht andere Regeln gibt, die ich noch nicht kenne, aber einen Unfall habe ich jedenfalls noch nicht gesehen. Ganz sicher fühle ich mich trotzdem noch nicht immer, was auch am Zustand einiger (oder besser gesagt der meisten) Fahrzeuge liegt. Anschnallgurte in Taxis sind ein seltenes Gut (zumindest in denen, mit denen ich bisher gefahren bin) und auch so manch andere Konstruktion scheint mir ein wenig suspekt. Aber die Souveränität der Fahrer und Mitfahrer beruhigt mich dann doch ein wenig und bleicht langsam auf mich ab. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt allerdings: Jedes Kleinkind und jede Ziege schafft es hier besser eine Straße zu überqueren als ich.

An beinahe allen Straßen gibt es haufenweise Stände und Hütten, die Verschiedenes anbieten und einem somit ermöglichen Alles, überall kaufen zu können. Angefangen bei frischem Obst und Gemüse, über Schüsseln, Tassen, Putzsachen, Handyguthaben,... Das ist wirklich sehr praktisch und verleitet zu vielen Spontankäufen, auch weil sie zu beinahe jeder Tageszeit geöffnet sind. Zusätzlich zu diesen Einkaufsmöglichkeiten gibt es auch noch Straßenverkäufer und -verkäuferinnen, die diverse Köstlichkeiten in Schüsseln oder Kästen auf dem Kopf transportieren. Bei den meisten Dingen weiß ich noch nicht, was es ist, aber ich bin mir sicher das finde ich im Laufe des Jahres heraus. Supermärkte gibt es auch welche, aber die sind etwas teurer und daher eigentlich nur notwendig, wenn man etwas Ausgefalleneres möchte.

Allgemein sind die Straßen und Wege also sehr belebt, sie sind gefüllt mit Menschen, Autos und Tieren. Zu allen Seiten gibt es was zu sehen, Häuser, Hütten und eine Vielzahl an Pflanzen.Es ist sowieso sehr grün hier, dank den vielen Bäumen und anderen Pflanzen innerhalb der Stadt selbst und den bewachsenen Hügeln, die Ho umgeben. Ich habe schon Kochbananenstauden, Kokosnusspalmen und viele andere interessante Pflanzen und Früchte am Wegrand entdeckt, das macht wirklich Freude. Man hört fast überall Musik, Tiergeräusche, lautes Beten und Predigen (ausgehend von Kirchen oder kleinen Zusammenschlüssen von Menschen am Wegrand) und ständiges Hupen. Das kommt von den Unmengen an Taxis die hier so rumfahren und die hupen um zu verdeutlichen, dass sie noch einen Platz frei haben oder einfach nur, dass sie kommen. Generell läuft das ganz interessant mit den Taxis. Man ruft kein Taxi, sondern wartet einfach am Straßenrand bis eines kommt und streckt dann den rechten Arm aus. Daraufhin ruft man den Bezirk, in den man möchte, entweder nickt der Fahrer (bisher habe ich tatsächlich nur Fahrer gesehen und noch keine einzige Fahrerin) und du kannst einsteigen, oder er schüttelt den Kopf und signalisiert dir dadurch, dass er nicht in diese Richtung fährt. Normalerweise dauert es nur kurze Zeit bis das nächste Taxi kommt, in abgelegeneren Gebieten auch mal was länger. Man bezahlt nicht pro Kilometer mit allen Mitfahrern zusammen, sondern jeder zahlt einzeln. Es steigen so lange neue Leute zu, bis das Taxi voll ist, wobei der Begriff „voll“ durchaus dehnbar zu verstehen ist. Die Preise sind sehr niedrig und so nutzen viele Leute das Taxi als Hauptverkehrsmittel. Busse oder Züge fahren auch nicht innerhalb der Stadt, Fahrrad zu fahren ist ebenfalls nicht üblich.

Soo dieser Text ist jetzt schon etwas lang geworden, aber ich hoffe so einen ersten Eindruck des Ortes geben zu können, in dem ich meine Tage hier verbringe. Ich bin bisher wirklich jeden Tag in der Stadt, um etwas zu besorgen, jemanden zu besuchen oder einfach etwas Bewegung zu bekommen, daher spielt sie eine zentrale Rolle meines Lebens. Insgesamt bin ich sehr froh, in Ho zu sein und ich freue mich schon darauf noch mehr zu sehen und für das nächste Jahr ein Teil davon zu sein!

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